Bergung von Nebelfässern im Zauberwald
Es war bereits später Nachmittag, als Entwarnung gegeben werden konnte und alle Straßen- und Wegsperrungen aufgehoben wurden. Die Sperrungen waren angeordnet worden, weil man in den Fässern hochgiftigen Inhalt vermutet hatte. Letztendlich fand man in den Metallgefäßen aber nur Sand und Kies, beide wiesen Einschusslöcher auf, wie der Leiter des Sprengkommandos München berichtete. Ein Fass befand sich in der Uferböschung der Ache, das zweite klemmte unter einem Fels im Wasser.
Für den Ernst der Lage war die Situation in der Ramsau gestern ziemlich ruhig. Polizeiabsperrungen Richtung Hintersee und Zauberwald ließen erahnen, dass ein größerer Einsatz läuft. Die Bergung von zwei Nebelsäurefässern aus dem Zweiten Weltkrieg war Auslöser dieser großen Präsenz von Sicherheitskräften und Experten. Bis 15 Uhr konnte erst eins der beiden Fässer von dem Spezialistenteam geborgen werden, dessen Zustand zuvor als unkritisch eingestuft worden war. Allerdings dauerte der Einsatz deutlich länger als erwartet.
Kein Gift in den Fässern
Am späten Nachmittag sicherte die Information durch, dass sich in den Fässern keine Chlorsulfonsäure mehr befindet, sondern nur noch Sand und Kies. Das sollte sich später als richtig herausstellen, was die Bergung unter dem Strich erleichterte.
Federführend war die Gemeinde Ramsau als zuständige Sicherheitsbehörde. Bürgermeister Richard Graßl war den ganzen Tag vor Ort. Für ihn war es eine weitere Herausforderung in seiner noch kurzen Amtszeit. Eine überraschende noch dazu, denn mit Nebelfässern aus dem Zweiten Weltkrieg hatten wohl die wenigsten in der Ramsau gerechnet. »Mir war nichts davon bekannt, dass in der Ramsau damals vernebelt worden wäre.« Insgesamt hoffte der Bürgermeister natürlich auf einen glimpflichen Ausgang. Denn der Inhalt solcher Fässer ist hochgiftig (wir berichteten).
Zufrieden zeigte er sich jedenfalls mit der Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen. Die Sperrungen und die Verkehrslenkung haben funktioniert, die Menschen reagierten verständnisvoll und Graßl lobte ausdrücklich die hervorragende Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden und Institutionen. An den Absperrpunkten war die Stimmung ruhig, Polizei und Feuerwehr hatten die Lage im Griff. Auch Urlauber und Wanderer reagierten gelassen auf die ungewöhnliche Situation.
Am Blaueisparkplatz gab es nach der erfolgreichen Bergung eine Pressekonferenz, an der Vertreter aller beteiligten Behörden und Institutionen teilnahmen: Gemeinde Ramsau, Polizeiinspektion Berchtesgaden, THW Berchtesgadener Land, Freiwillige Feuerwehr Ramsau, BRK und Landratsamt.
Großeinsatz
Insgesamt waren 68 Männer und Frauen im Einsatz. Noch dazu fand die Bergung im schwierigen Gelände statt, wie THW-Zugführer Konstantin Krause berichtete. Wanderer hatten schon vor rund zwei Wochen die Nebelfässer direkt an und in der Ache gefunden. Daraufhin war die Bergung unter der fachlichen Leitung des Sprengkommandos akribisch vorbereitet worden. Schon vor 8 Uhr begannen gestern die Vorbereitungsarbeiten, unter anderem wurden Fluchtwege geschaffen, Stege über die Ache gebaut, dazu eine Seilbahn installiert, um die Gefäße dann von der Ache wegzubekommen. Das THW stellte einen Laster mit Kran zur Verfügung, da das Sprengkommando kein geländegängiges Fahrzeug hatte. Mit dem Kran wurden die beiden Nebelfässer dann in Spezialbehälter gehoben und zum Blaueisparkplatz transportiert. Die Feuerwehr hatte einen eigenen Dekontaminationsplatz eingerichtet, falls doch noch Giftstoffe in den Behältern gewesen wären. Denn das war aufgrund der Lage nicht erkennbar, wie Sebastian Braun erklärte, der Leiter des Sprengkommandos München. Denn der Inhalt ist zwar nicht explosiv, aber lebensgefährlich. Beim Einatmen des Nebels würde sich in der Lunge Salzsäure bilden.
So zeigte sich auch Bürgermeister Richard Graßl erleichtert, dass der Einsatz so reibungslos verlaufen ist, niemand verletzt wurde und alle Beteiligten Hand in Hand gearbeitet hatten.
Unklar bleibt bislang allerdings, wie die beiden Nebelfässer in die Ache gekommen sind.
Text: Berchtesgadener Anzeiger
Fotos: FFW Ramsau